Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19

12.581 Beiträge zu
3.811 Filmen im Forum

Autorin Jessica Sanders
Foto: Zuckersüß Verlag

Aufruf zu mehr Selbstakzeptanz

01. Februar 2022

„Liebe deinen Körper“ von Jessica Sanders – Vorlesung 02/22

Den eigenen Körper lieben – klingt eigentlich ganz einfach. Doch so leicht ist das nicht. Besonders Mädchen, ob in der Kindheit oder im Teenageralter, werden tagtäglich mit Bildern perfekt inszenierter weiblicher Körper konfrontiert, sei es auf Werbeplakaten, im Fernsehen oder im Netz. Hier ein Filter drübergelegt, da ein bisschen retuschiert – alles für den effortless look. Dass das Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung hat, ist keine große Überraschung. Auch gesundheitliche Folgen sind nicht selten, so erkranken Mädchen und Frauen im Schnitt mindestens doppelt so häufig an einer Essstörung als Jungen und Männer. Die australische Aktivistin und Autorin Jessica Sanders hatte selbst einige Jahre damit zu kämpfen, ihren Körper zu akzeptieren. Mit „Liebe deinen Körper“ (Zuckersüß Verlag) hat sie ein Kinderbuch geschrieben, das sie selbst früher gerne im Bücherregal gesehen hätte. Für Mädchen ab acht Jahren und alle, die sich dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, ruft sie in geschlechtsneutraler Sprache zu mehr Selbstliebe auf. Dabei erklärt sie, dass jeder Körper einzigartig ist und unglaubliche Dinge tun kann – und betont, dass unsere Körper nicht als Objekte zu verstehen sind, die es anzuschauen und zu bestaunen gilt.

Vielmehr befähigen sie uns zu einer Vielzahl von Dingen, die uns Freude bereiten und glücklich machen. Es tut gut, auch mal zu weinen, in unsere Körper hineinzuspüren, und um Hilfe zu bitten, wenn wir nicht weiterwissen. Hierzu liefert die Autorin praktische Tipps und Anleitungen, die von Bewegung bis Achtsamkeitsübungen reichen. Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass das Buch auch von Erwachsenen rezipiert werden kann, indem es wertvolle Hilfestellungen für den Alltag liefert. Ebenso zeitgemäß und erfrischend sind die Abbildungen der brasilianischen Illustratorin Carol Rossetti, die in ihren Zeichnungen den Fokus auf Diversität legt – ob helle oder dunkle Haut, dick oder dünn, klein oder groß, mit Rollstuhl oder Gehhilfe, das Buch spricht durch seine bildlichen Repräsentationen eine große Bandbreite an Körpertypen an. So kann sich jede Leserin in einer oder mehreren Figuren wiederfinden. Dabei wird immer wieder folgendes Mantra wiederholt: „Mein Körper ist stark. Mein Körper kann großartige Dinge tun. Mein Körper gehört mir.“

Jessica Sanders zeigt, wie wichtig es ist, besonders im Zeitalter der Digitalisierung standardisierte Schönheitsideale infrage zu stellen und Kindern im Hinblick auf die spätere Pubertät und etwaige Unsicherheiten bezüglich des eigenen Körperkonzepts eine gefestigte Grundlage für ein positives Selbstbild zu bieten. Das medial verbreitete Konzept des vermeintlich idealen weiblichen Körpers bewirkt, dass junge Menschen, die sich in sozialen Netzwerken bewegen, einem ständigen Vergleich ausgesetzt sind. Dem gilt es schon früh entgegenzuwirken: In Sanders’ Kinderbuch geht es nicht nur um die visuelle Akzeptanz und Liebe zum eigenen Körper, sondern auch um das, wozu dieser Körper fähig ist – und darum, eine Dankbarkeit und Wertschätzung dafür zu entwickeln.

Jessica Sanders: Liebe deinen Körper | Aus dem Englischen von Anna Kampfmann | Zuckersüß Verlag | ab 8 Jahren | 40 S. | 24,90 €

Daphne Koch

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

We Live In Time

Lesen Sie dazu auch:

Gespräch über die Liebe
„In einem Zug“ von Daniel Glattauer – Textwelten 01/25

Mit KI aus der Zwangslage
„Täuschend echt“ von Charles Lewinsky – Literatur 01/25

Unfall oder Mord?
Jens Prüss-Lesung in der Düsseldorfer Zentralbibliothek

Schriftstellerin im Exil
Maria Stepanova liest bei Proust in Essen

Vorlesestunde mit Onkel Max
Max Goldt in den Kammerspielen Bochum – Literatur 01/25

Doppelte Enthüllung
„Sputnik“ von Nikita Afanasjew – Literatur 12/24

Eine wahre Liebesgeschichte
Thomas Strässles „Fluchtnovelle“ – Textwelten 12/24

ABC-Architektur
„Buchstabenhausen“ von Jonas Tjäder und Maja Knochenhauer – Vorlesung 11/24

Übergänge leicht gemacht
„Tschüss und Kuss“ von Barbara Weber-Eisenmann – Vorlesung 11/24

Auch Frauen können Helden sein
„Die Frauen jenseits des Flusses“ von Kristin Hannah – Literatur 11/24

Die zärtlichen Geister
„Wir Gespenster“ von Michael Kumpfmüller – Textwelten 11/24

Literatur in Höchstform
25. LesArt.Festival in Dortmund – Festival 11/24

Literatur.

HINWEIS