Ein ungewöhnliches Double-Feature findet ab Februar in der Region statt. Da ist die zeitgenössische Oper „Die Passagierin“ in zwei Akten von Mieczysław Weinberg nach der gleichnamigen Novelle (1962) von Zofia Posmysz in Gelsenkirchen. Gleichzeitigzeigt die Ausstellung „Literarische Bilder des Holocaust“ im Zentrum für verfolgte Künste in Solingen Arbeiten der Literatin und stellt die Biografie der Schriftstellerin vor, die in den Jahren 1942 bis 1945 im KZ Auschwitz-Birkenau inhaftiert war. Sie wurde auf der Krankenstation des Lagers gerettet, ging nach Polen zurück und arbeitete für den Rundfunk. Berühmt wurde ihr Hörspiel „Pasażerka z kabiny 45“(Die Passagierin aus der Kabine 45), auf der diefiktive Täter-Opfer Begegnung der Novelle beruht: Ein deutsches Ehepaar überquert 1960 auf einem Schiff den Atlantik in Richtung Übersee. Eine Passagierin an Bord beunruhigt die Frau. Sie scheint sie zu kennen und fühlt sich von deren Anwesenheit bedroht. Nach und nach offenbart sie ihrem Mann bisher verborgene Dinge ihrer Vergangenheit. Die Passagierin heißt Marta und war Inhaftierte des Konzentrationslagers Auschwitz. Lisa ist dort Aufseherin gewesen.
Die Ausstellungen im Zentrum für verfolgte Künste und im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier Gelsenkirchen sind Teil von „Wenn das Echo ihrer Stimmen verhallt...“, so heißt das umfangreiche Rahmenprogramm zur Oper „Die Passagierin“, an dem die Autorin und Zeitzeugin Zofia Posmysz (immerhin 93) aktiv teilnimmt – bis heute ist sie eine wichtige intellektuelle Stimme in der Auseinandersetzung über die Ursachen des Bösen geblieben, und sie ist eine der wenigen, die weltweit noch ein authentisches Zeugnis ablegen können. Im vergangenen Jahr hat sie im Film „Aufseherin Franz“ des MOCAK Museums für Gegenwartskunst in Krakau noch ein sehr langes Filminterview gegeben. Die Premiere des Films, in dem sie Maria Anna Potocka, der Direktorin des MOCAK, von ihren KZ-Erlebnissen erzählt, findet am Ende Januar auch im Musiktheater Gelsenkirchen statt.
Zofia Posmysz | bis 23.4. | Zentrum für verfolgte Künste, Solingen | 0212 25 81 40
„Die Passagierin“ | Sa 28.1.(P), Sa 18.2., Do 2.3. 19.30 Uhr, So 5.2. 18 Uhr | Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen | 0209 409 72 00
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.
Die Seele geraubt
„Hello Dolly“ am Gelsenkirchener MiR – Musical in NRW 04/24
Täuschung und Wirklichkeit
Ein märchenhafter Opern-Doppelabend in Gelsenkirchen – Oper in NRW 02/24
Hochzeiten und Hüte
„Hello, Dolly“ am MiR in Gelsenkirchen – Tanz an der Ruhr 01/24
Neues Publikum
Land NRW verstetigt das Förderprogramm Neue Wege – Theater in NRW 11/23
Schwofende Schwellenfigur
„Don Q“ am Musiktheater im Revier – Tanz an der Ruhr 10/23
Fiasko in forschem Ton
„König für einen Tag“ in Gelsenkirchen – Oper in NRW 07/23
„Die kleinen Leute dürfen frech werden“
Dietrich W. Hilsdorf inszeniert „Bernarda Albas Haus“ in Gelsenkirchen – Interview 05/23
Eisige Herrschaft
„Bernarda Albas Haus“ am MiR in Gelsenkirchen – Oper in NRW 04/23
Das Meer spiegelt die Gefühle
„Billy Budd“ am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen – Oper in NRW 03/23
Köstliches Vergnügen
„Drei Männer im Schnee“ in Gelsenkirchen – Theater an der Ruhr 10/22
Nach dem Grau des Gestern
„Aurora“ am Musiktheater im Revier – Tanz an der Ruhr 10/22
Heiterkeit mit Schattenwürfen
Neue Spielzeit am Musiktheater im Revier – Bühne 05/22
Licht in der Finsternis
„Brems:::Kraft“ in Köln und Mülheim a.d. Ruhr – Theater Ruhr 01/25
Wenn KI choreografiert
„Human in the loop“ am Düsseldorfer Tanzhaus NRW – Tanz an der Ruhr 01/25
„Ich war begeistert von ihren Klangwelten“
Regisseurin Anna-Sophie Mahler über Missy Mazzolis „The Listeners“ in Essen – Premiere 01/25
Wenn die Worte fehlen
„Null Zucker“ am Theater Dortmund – Prolog 01/25
Ein zeitloser Albtraum
Franz Kafkas „Der Prozess“ im Bochumer Prinz Regent Theater – Prolog 12/24
„Vergangenheit in die Zukunft übertragen“
Regisseur Benjamin Abel Meirhaeghe über „Give up die alten Geister“ in Bochum – Premiere 12/24
Die Grenzen der Bewegung
„Danses Vagabondes“ von Louise Lecavalier in Düsseldorf – Tanz an der Ruhr 12/24
Stimme gegen das Patriarchat
„Tabak“ am Essener Grillo-Theater – Prolog 11/24
Freigelegte Urinstinkte
„Exposure“ auf PACT Zollverein in Essen – Prolog 11/24
Krieg und Identität
„Kim“ auf PACT Zollverein in Essen – Tanz an der Ruhr 11/24
„Ich glaube, Menschen sind alle Schwindelnde“
Regisseurin Shari Asha Crosson über „Schwindel“ am Theater Dortmund – Premiere 11/24
Liebe ist immer für alle da
„Same Love“ am Theater Gütersloh – Prolog 11/24
Bollwerk für die Fantasie
Weihnachtstheater zwischen Rhein und Wupper – Prolog 10/24