Essen, 04.12. - Es war voll vor der Lichtburg in Essen, sehr voll. Fotografen versuchten das beste Bild herauszuholen, neugierige Passanten und Fans drückten sich an die Absperrung in der Hoffnung auf ein Autogramm. Es war die Premiere von „Die Libelle und das Nashorn“. Und nicht nur das: Mario Adorf und Fritzi Haberlandt, die Hauptdarsteller des neuen Films von Lola Randl, gaben sich zu dem besonderen Ereignis in dem altehrwürdigen Lichtspielhaus die Ehre, und lächelten und schauten geduldig in alle Richtung, bis sie oben auf den Rängen des Kinos Platz nehmen durften. Komplett gefüllt war der Kinosaal und die Spannung stieg. Dann öffnete sich pünktlich der schwere Vorhang und die Premierenvorstellung begann.
Was folgte war eine hervorragende schauspielerische Leistung von Mario Adorf und Fritzi Haberlandt. Man vermochte nicht zu sagen, wer gerade wen gegen die Wand spielt. Ihre Figuren wirkten real und überzeugend. Wer es nicht für möglich hielt, dass eine gemeinsame Nacht zweier fast fremder Menschen im Hotel, die nicht dem Klischee folgt und im Geschlechtsverkehr gipfelt, so gefühlsreich und tief sein kann, wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt. „Die Libelle und das Nashorn“ verfolgt eine verschrobene, lustige und doch auch tragische Beziehung zweier Menschen, die sich ähnlicher und zugleich unähnlicher nicht sein könnten. „Die Libelle und das Nashorn“ flechtet mal eben Anleihen aus den Kriminalfilmen der 50er ein, spricht über Liebe, Tod und Phantasien. Und macht die Ruhrgebietsstadt Dortmund nebenbei zu einem attraktiven Drehort.
Adorf und Haberlandt im Gespräch. Foto: Lisa Mertens
Christoph Ott vom Filmverleih NFP lobte im Anschluss des Films die Zusammenarbeit mit dem Dortmunder Hotel. Die Unterstützung sei unschlagbar gewesen. Gerne hätten er und die Filmcrew die Premiere in Dortmund stattfinden lassen, aber mit Essen sei diese immerhin im Ruhrgebiet geblieben. Ohnehin, so sagte Adorf, sei die Lichtburg in Essen das Premierenkino in Deutschland schlechthin. Er sei bereits in den 50ern mit den Münchner Kammerspielen zu Gast gewesen und es freue ihn, wieder einmal dort zu sein. Ihm habe der Dreh unglaublich viel Spaß bereitet, besonders die Zusammenarbeit mit Fritzi Haberlandt und das gesellige Zusammensein nach den Dreharbeiten. Dabei war der Film sehr spontan, unter Druck und nicht unter den schönsten Voraussetzungen entstanden. Lola Randl hatte eigentlich einen anderen Film im Sinn gehabt, „Die Erfindung der Liebe" mit Maria Kwiatkowsky in der Hauptrolle. Als diese jedoch überraschend und traurigerweise starb, musste sie diese Dreharbeiten abbrechen und sah sich gezwungen, in kürzester Zeit mit geringem Budget einen neuen Film auf die Beine zu stellen. Sechs Wochen habe sie für das Drehbuch gebraucht, allein 15 Tage habe der Dreh gedauert, doch die Mühe habe sich gelohnt. Diese Meinung teilte auch das Publikum, hatte jedoch noch eine offene Frage wegen des Filmtitels. Nein, dieser sei nicht wegen ihrer Äußerlichkeiten gewählt worden, gluckste Fritzi Haberlandt, sondern sei der Name von zwei Fischen in dem Aquarium des Dortmunder Hotels. Offenbar ein Runninggag in der Filmcrew, denn Mario Adorf und Fritzi Haberlandt lachten lauthals und gestanden, dass auch während des Drehs diesen Witz außer ihnen niemand lustig fand.
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