Der Affront
Frankreich, Zypern, Belgien, Libanon, USA 2017, Laufzeit: 109 Min., FSK 12
Regie: Ziad Doueiri
Darsteller: Adel Karam, Julia Kassar, Kamel El Basha
>> www.alpenrepublik.eu/affront.html
Komplexes Gerichtsdrama
Das Abflussrohr
"Der Affront" von Ziad Doueiri
Viel über den Libanon und die Situation der Menschen dort dürften hierzulande die wenigsten Menschen wissen. Das Land ist hinsichtlich der internationalen Nachrichten meist nur eine Fußnote wert. Ziad Doueiri („Die Kinder von Beirut“) hat sich angeschickt, das durch seine Spielfilme zu ändern. Der während des libanesischen Bürgerkrieges in Beirut aufgewachsene Filmemacher studierte sein Handwerk schließlich in den USA. „Der Affront“ lief erfolgreich auf den 74. Filmfestspielen in Venedig, wo sein Hauptdarsteller Kamel El Basha mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet wurde. Danach wurde der Film sogar als bester nicht-englischsprachiger Film für einen Oscar nominiert.
Der Anfang der Geschichte ist denkbar banal. Bei Bauarbeiten in einem Viertel in Beirut wird der christliche Libanese Toni (Adel Karam) vom palästinensischen Vorarbeiter Yasser (Kamel El Basha) darauf hingewiesen, dass das Abflussrohr seines Balkons illegal ist. Toni will dies aber nicht in Ordnung bringen lassen. Als Yasser eigenwillig Hand an das Abflussrohr legt, wird dieses von Toni mutwillig wieder zerstört. Beleidigungen und handgreifliche Auseinandersetzungen folgen, bis sich die Situation dermaßen in die Höhe geschaukelt hat, dass sich die beiden Kontrahenten vor Gericht wiederfinden. Dort geht es schon bald nicht mehr um den Bagatellfall eines Abflussrohres, sondern um die Animositäten zwischen christlichen Libanesen und arabischen Palästinensern, während die Kontrahenten von den jeweiligen Gruppierungen für ihre Zwecke eingespannt werden und das Land bald wieder vor bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen steht.
Zu Beginn ist man als Zuschauer sicherlich ein wenig irritiert darüber, wie sich eine derartige Lappalie zu einem solch großen und erbitterten Streit auswachsen kann. Man ist versucht zu denken, dass hier aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird. Doch im Laufe von Ziad Doueiris Film erkannt man immer klarer, dass diese mutmaßliche Mücke von Anfang an ein Elefant war. Der Regisseur entspinnt vor dem Hintergrund der religiösen und kulturellen Unterschiede ein höchst spannendes Gerichtsdrama, das mit der Zeit immer tiefer in die geschundenen Seelen der Protagonisten blicken lässt. Dabei werden die verschiedenen Flüchtlingsschicksale der Beteiligten thematisiert und eindringlich aufgezeigt, dass einstige Sieger im Laufe der Geschichte wieder zu Verlierern werden können – und umgekehrt. Es ist Doueiris inszenatorischem Geschick zu verdanken, dass er die Problematik vom Individuellen und Kleinen ins Allgemeingültige und Große übertragen kann und auf diese Weise Verständnis und Mitleid für beide Seiten zu wecken versteht. Mit Hilfe seiner exzellenten Darsteller und fein ausgeklügelter Dialoge, die sich insbesondere bei den scharfzüngigen verbalen Auseinandersetzungen vor Gericht bewähren können, gelingt es ihm, die komplexe Thematik spannend aufzubereiten.
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