Das vergangene Jahr ist mit einem Besucherminus von sieben Prozent zu Ende gegangen, wobei vor allem die Multiplexe Federn lassen mussten, während die Filmkunstkinos leicht zulegen konnten. Kinderfilme funktionieren nach wie vor hervorragend, aber das große Problem liegt beim Unterhaltungskino für Erwachsene oder alle Altersgruppen. Der deutsche Film schwächelt, Komödien generell leider auch.
Ausgerechnet die vielleicht wertvollste Filmserie der Welt, James Bond, steht nun vor massiven Veränderungen. Denn Barbara Broccoli und Michael G. Wilson, die Kinder des Ur-Bond-Produzenten Albert R. Broccoli, ziehen sich nach dem Verkauf von MGM samt der Marke Bond an Amazon abrupt aus dem kreativen Geschäft zurück. Monatelang gab es Querelen, was Amazon mit dem Zukauf alles anstellen könnte – mindestens einen Film pro Jahr oder auch mehrteilige Spin-offs nur für den Streamingdienst Amazon Prime –, monatelang stemmte sich Barbara Broccoli dagegen, betonte den exklusiven Kino-Charakter ihres Helden und wollte bei einem Neustart nach „Keine Zeit zu sterben“ bewusst behutsam vorgehen.
Das alles ist nun vorbei. Die Amazon-Studios können all die Pläne hervorholen, die sie sicher bereits ausgearbeitet haben. Für James Bond beginnt ein neues Zeitalter – und damit auch für die Fans. Sollte Amazon die Schlagzahl der Bond-Filme drastisch erhöhen, könnte das mittelfristig zu einer Abwertung der Einspielergebnisse in den Kinos führen. Auch das schwächelnde Streaming-Geschäft braucht Umsätze – und kann mit seinem Geheimagenten so verfahren, wie es möchte und es die Umsatzzahlen jeweils hergeben.
Auch die Klassiker, die nun exklusiv über Amazon Prime verfügbar sind, könnten zum Spielball etwaiger Bond-Schwankungen werden. So, wie in den letzten Jahren bereits einige Streamingdienste bestimmte Filme aus den Bibliotheken strichen, um aktuelle Ware zu protegieren, könnten die Bond-Klassiker auch für bestimmte Zeit offline gehen, wenn ein neues Bond-Abenteuer mit aller Macht in den Streaming-Markt gedrückt werden soll. Christopher Nolan erinnerte bereits mehrfach an den Wert der physikalischen DVD oder Blu-ray und meinte, er können jeden verstehen, der sich weiterhin einen Film lieber ins Regal stelle, als zum Spielball der Streamingkonzerne zu werden. Schach Mattscheibe.
Die Kinos können sich gegen den Ausverkauf ihrer alten Helden wehren. Wir, die Zuschauer, sollten sie dabei unterstützen. Das Kino ist mehr denn je wichtig für die Innenstädte. Es ist und bleibt ein sozialer Treffpunkt, an dem Träume und Möglichkeiten zu Veränderungen, zu einem geglückten Leben, wie wir es uns alle wünschen, verhandelt werden. Vielleicht ist die Fixierung auf Blockbuster deswegen längst passé. Es braucht wieder mehr Überraschungen. Tollkühnes. Verrücktes. „Mickey 17“ oder „Like A Complete Unknown“, die diesen Monat starten, weisen bereits den Weg.
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