Gefahr und Begierde
USA/China/Taiwan 2007, Laufzeit: 157 Min.
Regie: Ang Lee
Darsteller: Tony Leung Chiu-wai, Wei Tang, Lee-Hom Wang, Joan Chen, Anupam Kher
Die Studentin Wang Jiazhi spielt Propagandastücke im japanisch besetzten China des Zweiten Weltkriegs, um gegen die Besatzer zu mobilisieren. Ihre Schauspielkunst nutzt sie bald, um den Kollaborateur Herrn Yi in eine Falle zu locken. Doch das Spiel führt sie in eine folgenreiche, sadomasochistische Beziehung.
Besonders gut kam der Film bei der Kritik bislang nicht an, und dass auch Ang Lees neuer Film nach „Brokeback Mountain“ wieder den Goldenen Löwen in Venedig gewonnen hat, galt einigen schon als Skandal. Tatsächlich lässt einen der Film im ersten Drittel überraschend kalt: Steif und kühl wirkt hier alles – von den Darstellern bis zu den Kulissen. Doch dann passiert langsam und unmerklich etwas mit den Hauptfiguren und ebenso mit dem Zuschauer: Gemeinsam ist man unauflöslich verstrickt in ein Chaos aus Liebe und Politik, Lust und Moral.
Die Kühle der Inszenierung will auch später nicht ganz weichen: Die perfekte, glatte Machart hält uns die Figuren vom Leib, so wie sich die Figuren selber so lange wie möglich ihre eigenen Gefühle vom Leibe halten. Die Gewalt durch die faschistischen Besatzer rückt dabei kaum ins Bild. Ang Lee versucht nicht mit erschreckendem Realismus, aufwändigen Außenszenen oder drastischer Gewalt, das ganze historische Bild einzufangen. Ihn interessieren vor allem die Gefühle seiner Figuren in all dem Schrecken und weniger der Schrecken an sich (auch wenn natürlich die Japaner nicht gut weg kommen und ordentlich Seitenhiebe verteilt werden). Deswegen sind die einzigen Gewaltszenen ein fürchterlich zäher Mord der Widerstandskämpfer an einem Kollaborateur und die sadomasochistischen Sexszenen zwischen Jiazhi und Yi. Beides geht sie direkt an, und das wird im Kino physisch spürbar. Diese wenigen Szenen genügen vollkommen, um die Notwendigkeit der terroristischen Tat und den moralischen Zwiespalt zu zeigen, der sich zunehmend in Jiazhis Karussell der Gefühle zeigt.
Die Themen des Films sind im Rahmen dieser unromantischen Liebesgeschichte in solch unromantischen Zeiten so vielfältig, wie sie vage bleiben. Ang Lee stellt Fragen in den Raum, an denen sich ausgiebig philosophische, politische und moralische Diskussionen anknüpfen lassen. Aber natürlich gibt der Film, wie die meisten guten Filme, keine Antworten. Er stellt nur die richtigen Fragen.
(Christian Meyer)
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