Nachtzug nach Lissabon
USA, Schweiz, Deutschland 2013, Laufzeit: 111 Min., FSK 12
Regie: Bille August
Darsteller: Jeremy Irons, Bruno Ganz, Lena Olin, Jack Huston, Mélanie Laurent, August Diehl, Christopher Lee
>> nachtzug-nach-lissabon.de
Bewegendes Melodram
Lebenserwartung
„Nachtzug nach Lissabon“ von Bille August
Der Gelehrte Raimund Gregorius (Jeremy Irons) aus Bern vereitelt den Selbstmordversuch einer jungen Frau. Wenig später fällt ihm ein Buch in die Hand, betitelt mit „Ein Goldschmied der Worte“, dessen philosophische Weisen ihn in den Bann ziehen. Gregorius will mehr über den Autor erfahren. Die Spur, der er impulsiv folgt, führt ihn per Nachtzug nach Lissabon. Dort lernt er die Augenärztin Mariana (Martina Gedeck) kennen. Seine Recherche führt über die Schwester des Literaten (Charlotte Rampling) zurück in die der 1930er Jahre, die Zeit der Diktatur unter Antonio de Oliviera Salazar, wo sich der freiheitsliebende Autor mit seinem besten Freund im Widerstand engagiert. Schicksalshaft kulminieren Unterdrückung, Freiheitsdrang und Leidenschaft.
Von Anfang an entwickeln die getragenen Bilder, das ruhige Tempo und die poetisch philosophischen Monologe, die aus dem geheimnisvollen Buch zitieren, einen magischen Sog, der das Melodram dauerhaft begleitet. Regisseur Bille August („Das Geisterhaus“, „Goodbye Bafana“) verfilmt den Roman von Pascal Mercier mit sommerlicher Leichtigkeit und tragischer Wucht gleichermaßen. Anfangs noch beflügelt von der Magie des Wortes und der beginnenden Lebensläuterung des Schweizer Gelehrten, erwächst der Film schließlich in seinen Rückblicken zum spannenden Revolutionsdrama. Die filmische Zeitreise begleitet den jungen Amadeu (Jack Huston), der seinem aristokratischen und regimetreuen Elternhaus den Rücken kehrt. Er verfasst das Buch, das später Gregorius in die Hände fallen soll, und entscheidet sich daraufhin, Arzt zu werden. Gemeinsam mit seinem Freund Jorge (August Diehl) schließt er sich schließlich dem Widerstand an. Dort verlieben sich beide in die Revolutionären Estefania (Mélanie Laurent). Sein hippokratischer Eid stellt Amadeu schließlich vor eine schicksalhafte Entscheidung.
Martina Gedecks hölzerne Performance vermag nicht wirklich, den Funken zu Jeremy Irons überspringen zu lassen, wie es das Buch wohl gerne hätte. Ansonsten erzählen August und sein Cast meisterlich, sprich inspiriert und souverän, von Freundschaft und Ehre, von der Stärke und der Fehlbarkeit der Jugend, von Verrat und von Eifersucht. Bruno Ganz, Lena Olin, Christopher Lee und Burghart Klaußner ergänzen die internationale Darstellerriege, die dieses Epos erhaben trägt. Ein poetisches, philosophisches Drama über die Magie des Wortes, und gleichermaßen über dessen Schöpfung. Über die Erwartung, die man an sein Leben stellt. Über die Pflicht zur Revolution und den Wert von Gewissen, Wachsamkeit und Neugier. Sprich: August liefert eine Adaption, die den Geist der Vorlage trefflich einfängt und zugleich autark und stimmig auf die Leinwand bettet, als ein Melodram, das anregt und berührt zugleich.
(Hartmut Ernst)
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