Schnöde Unterhaltung kann ein wunderbar süßer Brei sein oder auch eine versalzene Soße. Seit Jahren haben die beiden Formate Musical und Comedy die ganze Bandbreite dieser Geschmackswelt abgegrast. Protagonisten, einst auf kleinen Studiobühnen zu Hause, füllen inzwischen ganze Stadthallen. Ob das der Qualität gut tut? Sicher nicht. Jetzt gibt es ein neues Musical: Comedy, Musik und Text von Marco Chimienti und Ingbert Edenhofer, der selbst mitspielt. „O, Fotowand, o!”, ein Akt für vier Darsteller und 99 Fotos, ein Kammerspiel über Kameradschaft, Kopulation und Klempner. Die drei großen Ks also. Eckpfeiler wohl jeder Musical-Komödie. Man kann die Liste auch weiterschreiben: Kaiser, Kriechtiere und Kohlenhändler. Doch in Wirklichkeit geht es um Ruth (Nadine Kellerberg), Véronique (Nina Köster) und Nelson (Ingbert Edenhofer), eigentlich die besten Freunde. Ihre Freundschaft wird aber auf die Probe gestellt, als alle drei Anspruch auf Lasse (Jan Peter Müller) erheben. Der ist einer von 99 Männern auf Véroniques Fotowand. Dort visualisiert sie liebevoll zukünftige One-Night-Stands. Briefmarken sammeln kann schließlich jeder. Alle drei Freunde malen sich in melodiösen Fantasiesequenzen das Dasein an Lasses Seite aus, während in der Realität die dissonanten Emotionen hochkommen. So wird gelacht und geweint, gesungen und getanzt, geküsst und gemordet, doch vor allem mit den Augen gezwinkert. Bis die Sucht zum Eifer wird und noch darüber hinaus.
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