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„Im Ausnahmezustand“
Foto: Dorothea Bering

Schöner Wohnen hinterm Elektrozaun

27. November 2014

„Im Ausnahmezustand“ von Falk Richter in Moers – Theater Ruhr 12/14

Es gibt Vergnügungsparks, die nicht von jedermann besucht werden können, dummerweise gibt es Jedermänner und -frauen, die diese Anlagen im Gegenzug nicht mehr verlassen können oder wollen. Geht es dir gut? Sicher? Die beiden Fragen geistern durch Falk Richters Fastendzeitstück „Im Ausnahmezustand“, das die junge Regisseurin Catherine Umbdenstock in der kleinen Moerser Kapelle inszeniert hat. Eng ist es dort, man ist nah dran und doch irgendwie weit weg von der Szenerie in dem paramilitärisch bewachten Wohngetto der nahen Zukunft. Vor dem Elektrozaun tobt das Leben und die Armut, drinnen macht sich die Psychose breit. „Wir sind hier nicht mehr sicher.“ Die Frau (Maresa Lühle) nimmt die Veränderungen wahr, die ihr Wunsch-Leben bedrohen. Der Mann (Frank Wickermann) hat bereits resigniert, reagiert mit Apathie und Ausbruch aus dem Idyll, das wohl doch keins ist. Anfangs geistert noch ein riesiges Plüschtier mit Ukulele durch die Welt, die man wohl im sonnigen Florida verorten soll, dann bricht bereits die Gefahrenabwehr ins traute Heim, oder kann es sein, dass die Verteidigung schlimmer ist als deren Ursache? Richter interessierte die Frage nach der tatsächlichen Realität einer imaginierten Bedrohung.

Und so kommt niemand raus aus der Kapelle, auch der Zuschauer auf der schmalen Empore nicht. Was draußen passiert, zeigen Echtzeit-Videos an der Wand über dem Terrarium, das der Mann hegt und pflegt und der Sohn (Patrick Dollas) augenscheinlich schon längere Zeit als Fluchtweg nutzt. Umbdenstock inszeniert einen fast impressionistischen Tanz um den modernen Küchentisch, ab und an geschehen vor der Kapelle merkwürdige Dinge, ein Polizeibus fährt dort vorbei, es fallen Schüsse, gleichzeitig machen die beruhigenden Geräusche brandender Wellen alle nervös. Während die Eltern sich den Status quo schön reden wollen, ist der 13-jährige Sohn längst ausgebrochen. „Wenn ich noch einen glücklichen Rentner sehe, der einen Sonnenaufgang am Meer malt, dann schlag ich den zu Brei.“ Ja, es hätte so schön sein können auf dem Flokati vor dem Gewächshaus.

„Im Ausnahmezustand“ | R: Catherine Umbdenstock | Fr 5.12., Fr 12.12. 19.30 Uhr, So 7.12. 18 Uhr | Kapelle Moers |02841 883 41 10

PETER ORTMANN

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