Auf der einen Seite der schmuddelige Campingwagen, gegenüber die grell erleuchtete Bühne. Zwischen den Polen agieren die Schauspieler, immer auf der Suche nach einer Sprache, mit der sie ihre Lebenssituation wenigstens beschreiben könnten. „Wir können also nicht mehr heucheln, dass uns die anderen Leben berühren. Und die Frage ist auch, wo berühren sie uns wirklich, also wo haben wir mit ihnen zu tun? (...) Da können wir noch so gute Menschen werden, es gibt Utopien, die nicht zu organisieren sind. Schon gar nicht durch Ethik und Moral.“ (René Pollesch)
Die im letzten Jahr erfolgreich gestartete Ruhrtrilogie wird open air in Mülheim fortgesetzt. Im zweiten Teil durchleuchtet der Autor und Regisseur René Pollesch in gewohnt scharfsinniger Manier die gegenwärtigen Arbeits- und Lebenswelten in ihrer Komplexität und Widersprüchlichkeit. Insbesondere im Ruhrgebiet ist nicht zu übersehen, was es für die Menschen und Städte bedeutet, wenn „die Arbeit“ fast flächendeckend wegbricht. Fragen und Probleme werden sichtbar, die andernorts vielleicht zurzeit noch marginalisiert werden können: Was bedeutet „Strukturwandel“? Welche informellen Strategien entwickeln sich, wenn auf nichts mehr Verlass ist und alles zur Disposition steht? Wer ist drinnen und wer draußen, und was heißt das für die sozialen Zusammenhänge? Pollesch bezieht kompromisslos Stellung und entwickelt eine andere Perspektive auf die Geschichten, die wir uns immer wieder erzählen, in denen wir selbst aber schon lange nicht mehr vorkommen. Seine Theaterabende stehen für eine einzigartige Ausdrucksform, die tatsächlich etwas über heutige Subjekte erzählen kann. Dabei interessiert es ihn herauszufinden, wie man überhaupt über etwas reden kann, jenseits der „männlichen, weißen Mittelstandsposition, die immer das Glück bei den anderen findet.“
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.
Licht in der Finsternis
„Brems:::Kraft“ in Köln und Mülheim a.d. Ruhr – Theater Ruhr 01/25
Brautkleid aus reinster Haut
„Subcutis“ in Mülheim a. d. Ruhr und Köln – Theater Ruhr 01/24
Trance durch Kunst
Die Reihe Rausch 2 in Mülheim a.d. Ruhr – Theater Ruhr 11/23
Brecht im Discounter
„Der gute Mensch von Sezuan“ am Grillo-Theater in Essen – Theater Ruhr 10/23
Bretter der Kulturindustrie
„Das Kapital: Das Musical“ im Schauspiel Dortmund – Theater Ruhr 10/23
Siehst du, das ist das Leben
„Der erste fiese Typ“ in Bochum – Theater Ruhr 06/23
Der gefährliche Riss in der Psyche
„Die tonight, live forever oder das Prinzip Nosferatu“ am Theater Dortmund – Theater Ruhr 04/22
Unberührbare Souveränität
Frank Wedekinds „Lulu“ am Düsseldorfer Schauspielhaus – Theater Ruhr 03/20
Totenmesse fürs Malochertum
„After Work“ in den Bochumer Kammerspielen – Theater Ruhr 02/20
Gespenstisches Raunen
Die Performance „Geister“ am Schauspielhaus Bochum – Theater Ruhr 02/20
Drei wilde C´s im Schnee
„After Midnight“ im Essener Grillo – Theater Ruhr 02/20
Von Büchern überschüttet
„Sokrates der Überlebende / Wie die Blätter“ in Mülheim – Theater Ruhr 02/20
Tragödie mit Diskokugel
Horváths „Glaube Liebe Hoffnung“ in Oberhausen – Theater Ruhr 01/20
Ein hochemotionaler Spiegel
Khaled Hasseinis „Drachenläufer“ in Castrop-Rauxel – Theater Ruhr 01/20
Donna Quichotta der Best Ager
„Linda“ am Düsseldorfer Schauspielhaus – Theater Ruhr 01/20
Spiegelei, Toast und Tier
„Das Reich der Tiere“ am Theater Dortmund – Theater Ruhr 12/19
Heute geht es auch ohne Brandbeschleuniger
„Biedermann und die Brandstifter“ in Essen – Theater Ruhr 11/19
Desinfiziert und doch tot
„Die Pest“ in Moers – Theater Ruhr 11/19
Wenn Datenberge erodiert sind
„Identität“ in Dortmund – Theater Ruhr 11/19
Biografisches Sightseeing
Babett Grube inszeniert „Alles ist wahr“ in Oberhausen – Theater Ruhr 11/19
Amouröse Programmierung
„Ein Sommernachtstraum“ am Theater Oberhausen – Theater Ruhr 07/19
Mit Drogen locker durchs Leben
Huxleys „Schöne neue Welt“ in Bochum – Theater Ruhr 07/19
Aufm Arbeitsamt wird gesabbert
„Willems wilde Welt“ von theater glassbooth – Theater Ruhr 07/19
Morden als Maloche
Harold Pinters „Der Stumme Diener“ in Essen – Theater Ruhr 06/19
Schaut wie die Kirschbäume fallen
„Der Kirschgarten“ in Essen – Theater Ruhr 06/19