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Foto: Andreas Köhring

Wenn die Brotmaschine spricht

01. Juli 2009

Die Nächte am Theater an der Ruhr sind lang - Theater Ruhr 07/09

Laue Sommernächte und rauschende Bäume im Raffelbergpark. Mit den „Weißen Nächten“ geht das Theater an der Ruhr in Mülheim traditionell eruptiv in die Sommerpause. An fünf prall gefüllten Abenden zeigt es eine Mischung aus Publikumsrennern, kurdischem Theater und zeitgenössischer Musik. Alles kostenlos und unter freiem Himmel. Und für die Kinder schauen am Sonntagnachmittag noch mal eben der Wolf und die sieben Geißlein vorbei.

Den Auftakt aber macht „Doña Rosita oder Die Sprache der Blumen“. Roberto Ciullis Interesse an Lorca richtete sich früh auf die frappierende Einheit von Biographie und Werk des Dichters. Als zentrales Motiv zieht sich durch Lorcas Leben und Literatur das Aufbäumen gegen gesellschaftlich zementierte Regularien, die auf inhumane Weise mit den Bedürfnissen des Einzelnen kollidieren. Die gelungene Inszenierung aus 2007 war damals eine Koproduktion mit der Ruhrtriennale.

Auch Johann Nepomuk Nestroys Eisbär hat es in diesem Jahr in den Raffelbergpark verschlagen. In seinem Stück „Häuptling Abendwind“ wird das Tier zwar geschlachtet, doch war es zuvor hoch verehrt auf des Häuptlings einsamem Eiland, das noch von keiner Zivilisation erreicht wurde, so dass sich der Brauch der Menschenfresserei ungetrübt erhalten konnte. Fatal, dass die Inselbewohner dabei ihre eigenen Ressourcen in Gestalt ihrer Frauen verzehrt haben. Eine wunderbare Inszenierung von Paolo Magelli. Sie ist immer wieder gern gesehen wie auch Brechts ewige „Dreigroschenoper“, die Ciulli in eine poetische Clowneske verwandelte.
Die zwei interkulturellen Theaterabende kommen aus der Türkei vom Stadttheater Diyarbakir. „Das Irrenhaus“ ist ein kurdisches Volksstück und handelt von der Neueröffnung einer Anstalt. Die künftigen Bewohner wollen dafür eine „richtige“ Feier. In „Yasar Ne Heye, Ne Ji Tuneye“, einer musikalischen Komödie, setzt sich der in der Türkei berühmte Autor Aziz Nesin satirisch mit dem bürokratischen Staatsapparat auseinander: Die Hauptfigur Yasar ist laut behördlichem Eintrag verstorben und muss deshalb ihr Leben lang um die Anerkennung ihrer Existenz kämpfen.

Interessantester musikalischer Hauptact ist sicher am Eröffnungsmittwoch die Band „Bohren & Der Club of Gore“. Die haben ihren ganz eigenen Stil eines dunklen, langsamen, auskomponierten Jazz entwickelt. „Abwechslung ist eben was für Weicheier”, sagt dazu Christoph Clöser von Bohren. Die zumeist instrumentalen Stücke sind geprägt durch einen abwechslungsarmen Minimalismus und eine getragene, meditative Stimmung. Ihr Stil wird gern auch als „Horror-Jazz“ bezeichnet, denn es ist eine dunkle, geheimnisvolle Klangwelt, die die Band aus dem Ruhrgebiet zelebriert, und die deshalb auch international längst eine eingeschworene Fangemeinde hat.

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