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Wenn es in der U-Bahn singt

01. Juli 2009

Eine Oper will städtebauliche Fehler im Niemadsland zwischen Essen und Mülheim kurieren - Theater Ruhr 07/09

Trompeten und Koloratur mitten in einer No-Go-Area zwischen Essen und Mülheim. Die Musiker stehen an der Haltestelle Eichbaum. Dort entwickelte das raumlaborberlin mit dem Gelsenkirchener Musiktheater, dem Schauspiel Essen und Ringlokschuppen Mülheim eine Open Air-Oper. Zwischen hingeschmierten Graffiti, zerbrochenen Bierflaschen und bröselndem Beton steht nun Bernadette La Hengst, einst Musikerin bei Mobylettes und unterwegs im Elektropop, hier ist sie Opern-Librettistin und führt den Chor an. Sänger und Musiker gruppieren sich darum. Ein Musikwerk an einer ungeliebten U-Bahnhaltestelle, die einst ein architektonisches Fanal der Moderne war und heute vor sich hin rottet?

Im Projekt „Eichbaumoper“ geht es um die Verbindung von Architektur, Theater, Musik und Stadt. Die Transformation ist vom Architekturbüro raumlaborberlin als vielschichtiger Prozess gedacht, in dem Künste und Techniken sich gegenseitig fördern sollen, Strategien des erzählenden, biografischen Sprechtheaters korrespondieren mit denen des Musiktheaters und der Komposition. Interviews, Gespräche und Begegnungen mit den Menschen und dem Ort. Dazu wurden drei Kompositionsaufträge vergeben. Die Oper besteht aus mehreren einzelnen Kompositionen und Texten, deren Gemeinsamkeit es ist, an Eichbaum zu sein und von diesem Ort und seinen Geschichten auszugehen. „Wir sind die Pioniere des neuen Zeitalters der U-Bahn-Oper” sagt Isidora Zebeljan, die eine der Kurzopern komponiert hat. Auf den Schienen fahren muss der Zuschauer bei Cordula Däuper. In zwei Waggons der U18 erlebt er dann zwischen dem Essener Hirschlandplatz und dem Eichbaum ihre vertonten und inszenierten Minigeschichten aus Wort- und Klangfetzen. Die Kurzoper ist zu Ende, wenn der Zug in Eichbaum einläuft. Dann wird die Station zur Bühne. Die dritte Kurzoper stammt von Felix Leuschner. Der hatte anfangs Probleme, den endlosen Ratter-Sound der Schienen in seine Komposition mit einzubeziehen. Jetzt ist er sicher, dass sein Stück, seine „Klangsituation”, in einem normalen Konzertsaal nicht mehr funktionieren würde.

Neben der dauerhaften Verbesserung der Situation an der Haltstelle Eichbaum ist den Produzenten die Einbindung insbesondere der jugendlichen Anwohner wichtig. Über 60 Anwohner, die auch an den eigens eingerichteten Workshops in der Opernhauhütte teilgenommen haben, wirken jetzt bereits als Statisten mit.


PETER ORTMANN

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