„So kann ich nicht arbeiten“ heißt Hans Gerzlichs Programm über die Wirtschaft und das Büro. Warum dieses Thema? Weil er sich als Wirtschaftswissenschaftler und gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann damit auskennt und die Relevanz erkannt hat: Die psychische Störung wird am häufigsten als Krankheit diagnostiziert, „noch vor Rücken“, sagt er und das ist der Grund, aus dem er sich gerade im Wartezimmer seines Therapeuten befindet.
Erst im Anzug und nach der Pause in Freizeitkleidung erzählt er, teils verwundert, teils amüsiert und fassungslos Anekdoten, die so bestimmt in unzähligen Büros passiert sein können. Immer wieder greift er sich Stereotypen heraus. Da ist der ehrgeizige BWLer, der in der Vorstandssitzung auf die Fehler und wunden Punkte seiner Konkurrenten lauert, aber sich selbst nur durchs Bluffen über Wasser hält. Oder der Spaßvogel, der die Kollegen mit „Guten Tacho“ begrüßt oder „Herzlichen Glühstrumpf“ sagt und aus unerfindlichen Gründen schon lange Single ist. Der schlimmste unter ihnen sei jedoch eindeutig der Buchhalter, der „Phlegmatiker, der in seiner eigenen Welt lebt“. Ein „Schattenwesen, das nur durch seine Kleidung auffällt, die vor 25 Jahren fast mal modern gewesen ist“, trocken und humorlos. Im Gegensatz zum Publikum, das sich sehr über das Soziogramm amüsiert.
Es folgt ein Streifzug durch den Wahnsinn der Gegenwart. Eine Ungerechtigkeit nach der anderen greift er, ironisch und sarkastisch verpackt, auf. Was den Manager des Jahres ausmacht? Er ist asozial, machtbesessen und hat Bartwuchs. Der wahre Grund, aus dem es in den Chefetagen kaum Frauen gibt, sei, dass die durchschnittliche Frau das geforderte Maß an Asozialität nicht mitbringe. Es sei auch kein Zufall, dass Manager, die sich damit brüsten, dass ihr Unternehmen keine Steuern zahlt, zugleich Manager des Jahres werden. Aber auch die Politik trägt ihren Teil dazu bei. Die FDP das Gesundheitsministerium übernehmen zu lassen, sei wie Rainer Calmund den Kühlschrank bewachen zu lassen. Immer wieder drückt er seinen Finger tief in die Wunden. Doch es gibt einen Ausweg. Gerzlich erklärt am Ende Schritt für Schritt, „wie man im Büro so verhaltensauffällig wird, dass man sich gleich in die Frührente verabschieden kann“.
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