Das Thema Inklusion ist in NRW ein heißes Thema. Ab 2014 haben Kinder mit Behinderung einen Rechtsanspruch, gemeinsam mit Kindern ohne Behinderung unterrichtet zu werden. Doch das Projekt Inklusion steht momentan unter keinem guten Stern. Grundschullehrer und Grundschuhllehrerinnen sehen wenig Möglichkeiten, der Förderung aller Kinder gerecht zu werden. Zu wenig Sozialpädagogen, zu große Klassen, dazu die nicht geklärte Finanzierung - die Klagen der Lehrer sind gerechtfertigt. Das Problem liegt dabei nicht an der Inklusion per se, sondern an einer Politik, die mit realitätsfremden Zahlen rechnet. Dabei ist es wichtig, dass die Inklusion bereits in der frühesten Phase der Bildung ansetzt. Wenn früh ein Bewusstsein für die Selbstverständlichkeit an der gemeinsamen Partizipation an Gesellschaft geschaffen wird, kann in Zukunft Vorurteilen gegen Menschen mit Behinderung in der Berufswelt entgegengewirkt werden. Die 5% Pflichtquote und Ausgleichszahlungen scheinen zwar ein funktionierendes System zu sein, doch Vorbehalte gegen Arbeitnehmer mit Behinderung sind noch immer verbreitet.
Dass Inklusion in allen Bereichen des Lebens, nicht nur in Bezug auf Bildung und Arbeit, wichtig ist, möchte man in einer Welt des gemeinsamen Miteinanders leben, hat sich die Aktion Mensch auf ihre Fahnen geschrieben. Und was könnte besser geeignet sein, das Ideal der Inklusion in die Gesellschaft hineinzutragen als das Medium Film? Seit 2006 tourt daher Aktion Mensch mit „Überall dabei - Das inklusive Festival“ durch deutsche Städte, zeigt Filme, lädt zu Diskussionen sowie Gesprächsrunden ein und versucht so Hemmungen abzubauen. Auf der fünften Tournee macht das Festival auch im sweetSixteen halt. Vom 25.4 bis 1.5. bietet das Kino im Depot in der Dortmunder Nordstadt in Kooperation mit vielen lokalen Initiativen neben den sechs Filmen des diesjährigen Festivalprogramms Kunstausstellungen und Führungen.
Am 25.4. fällt der Startschuss für das inklusive Filmfestival mit einer breit aufgestellten Eröffnungsfeier. Die Band des Caritas Wohnheimes St. Raphael „Raphaellos“ wird für die musikalische Unterstützung sorgen, Eröffnungs- und Begrüßungsreden leiten über zum ersten Filmbeitrag „Blind“, ausklingen wird dieser runde Abend bei Speis und Trank sowie der Möglichkeit zu angeregten Gesprächen.
Der Freitag nimmt sich des Themas Recht auf Körperlichkeit für Menschen mit Behinderung an. Die Dokumentation „Rachels Weg“ von Catherine Scott porträtiert die australische Sexualbegleiterin Rachel Wotton sowie das Verhältnis zu ihren „Kunden“ mit Behinderung. In einer anschließenden Gesprächsrunde mit einer Sexualberaterin besteht die Möglichkeit, das recht kontroverse Thema zu vertiefen.
Am Samstag hält sich das sweetSixteen an das Gebot des Wochenendes und schmeißt nach dem komödiantischen Film „Die Kunst sich die Schuhe zu binden“ eine ausgelassene Party für alle.
Am Sonntag, den 28.04., wird mit der Dokumentation „Mensch 2.0“ dem Stand der Robotikforschung nachgegangen. Inwiefern können Roboter von ganz persönlichem Nutzen für das einzelne Individuum werden? Was macht den Menschen überhaupt aus?
Der Dienstag (30.4.) widmet sich dem Sujet Behinderung in der jüdischen Gesellschaft. Bereits um 16 Uhr ist eine Begehung des Dortmunder Synagoge möglich, bevor etwaige Fragen über die Situation von jüdischen Zuwanderern mit Behinderung nach der Dokumentation „Deaf Jam“ am Abend an die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland gestellt werden können.
Am Abschlussabend (1.5.) findet ein Gespräch zum Thema Familienleben mit Kindern und Handicap statt. Eingeleitet wird dieses Gespräch durch die Dokumentation „Zwillingsbrüder“, die über zehn Jahre hinweg Gustav und seinen kleinwüchsigen Bruder Oskar in Szenen begleitet.
Das Filmfestival der Aktion Mensch greift auch dieses Jahr viele Facetten zum Thema Inklusion über Filme auf. Wiederum zeichnet es sich dadurch aus, dass es komplett barrierefrei angelegt ist. Untertitel für hörgeschädigte Menschen, eine Tonspur für Schwerhörige und Audiodeskription für blinde Menschen während der Filmbeiträge sind ebenso selbstverständlich wie Gebärdensprachdolmetscher und Schriftdolmetscher während der Gesprächsrunden. Das sweetSixteen zeigt zusätzlich durchgängig, gegeben durch die Lage im Depot, die Fotoausstellung „Geschlecht: Behindert – Merkmal: Frau“ sowie Werke aus der WERKstattARBEIT der WAD.
„Überall dabei - Das inklusive Festival“ │25.4.-1.5.│sweetSixteen Dortmund
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